Die Grünholzwerkstatt

Die Grünholzwerkstatt steht in einer westfälischen Handwerkstradition, die eng mit Wald, Landwirtschaft und Landschaft verbunden ist. Über Generationen hinweg wurde frisches Holz direkt verarbeitet, um Werkzeuge und Alltagsgegenstände herzustellen.

Diese handwerkliche Tradition halte ich lebendig – nicht als Rückblick, sondern als praktische Arbeit im Hier und Jetzt. 

In der Grünholzwerkstatt arbeite ich mit frischem Holz und einfachen Handwerkzeugen. Stiele, kleine Gebrauchsgegenstände und Werkstücke entstehen ohne Maschinen, in ruhigem Tempo und mit direktem Kontakt zum Material.

Diese Seite erzählt, wie ich zu dieser Arbeitsweise gefunden habe – und warum sie für mich heute ein fester Bestandteil von Wald und Wurzel ist.

Auf unserem kleinen Hof zerbrechen immer wieder die Stiele von Schaufeln, Vorschlaghämmern, Spaltäxten und Besen – meist genau dann, wenn man sie braucht.

Einen guten Ersatz zu finden, ist oft schwieriger als gedacht. Gerade bei Axt- oder Hackenstielen stellt sich schnell die Frage: Passt das Auge? Liegt der Stiel gut in der Hand? Ist das Holz wirklich geeignet? Die Qualität vieler maschinengefertigter Stiele lässt zu wünschen übrig.

Einmal habe ich mir über Kleinanzeigen eine alte Hacke besorgt – schön breit, schwer und genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Beim ersten Stoß in den Boden zerbrach der Stiel zu Staub und Spänen. Eine ziemliche Pleite.

In diesem Moment habe ich beschlossen, es selbst anzupacken. Der alte Stiel war offensichtlich von Hand gemacht, das konnte man an einigen Stellen noch erkennen. Aber wie macht man so etwas?

Welches Holz eignet sich dafür? Wie bekommt man die richtige Form? Wie rundet man einen Stiel gleichmäßig ab? Und vor allem: Wie lässt sich das alles möglichst ressourcenschonend umsetzen – ohne Strom, ohne Maschinen, ohne viel Geld auszugeben, dafür mit Zeit und Aufmerksamkeit?


Diesen Fragen bin ich in den folgenden Wochen nachgegangen. Und irgendwann ist mir die Ziehbank begegnet – oder besser: das Schnitzpferd.

Die Ziehbank – oder der Ritt auf dem Schnitzpferd 

Die Ziehbank ist ein sehr alter Arbeitsplatz der Holzbearbeitung. Schon in der Antike nutzten Handwerker ähnliche Vorrichtungen, um Holz entlang der Faser zu formen. Über viele Jahrhunderte war sie das Herzstück von Werkstätten, in denen Stiele, Schäfte oder andere längliche Holzteile entstanden.

Ich nenne meine Ziehbank Schnitzpferd, weil die Arbeit auf ihr tatsächlich ein wenig an einen Ritt erinnert. Man sitzt auf ihr, klemmt das Werkstück mit den Füßen fest und arbeitet mit beiden Händen am Holz. Im Englischen heißt sie passend shaving horse.

Mein erstes Schnitzpferd habe ich in Handarbeit aus gebrauchten Kanthölzern gebaut, die ich von einem Freund bekommen habe. Ich habe die Balken gehobelt, zu einem einfachen Rahmen zusammengefügt und dann die Klemmvorrichtung aufgebaut – den Teil, der das Holz sicher festhält. Die Bohrungen habe ich mit der Brustleier gesetzt. Viel Material brauchte es nicht, nur etwas Zeit, Geduld und Ausprobieren. 

Am Ende stand ein funktionaler Arbeitsplatz.

Ziehmesser und Holz



Die Ziehbank funktioniert immer in Kombination mit einem Ziehmesser. Das Ziehmesser ist ein schlichtes, aber sehr präzises Werkzeug. Es wird mit beiden Händen geführt und erlaubt es, Holz kontrolliert entlang der Faser abzutragen. 

Es gibt gerade Ziehmesser für plane Flächen und Stiele sowie gebogene Formen zum Schlichten, für Rundungen oder Mulden. In Verbindung mit dem Schnitzpferd entsteht daraus eine erstaunlich sichere und direkte Arbeitsweise.

Nachdem ich etwas Übung gesammelt hatte, machte ich mich an meinen ersten Hackenstiel. Das passende Holz dafür fand ich in der deutschen Eiche: hart, schwer und druckfest. Den alten Stiel nutzte ich als Vorlage, zeichnete die Form an und arbeitete mich Schritt für Schritt heran. Dabei half mir auch ein Video, das genau diese Arbeit zeigte. 

Am Ende blieb noch das sichere Einstielen der Hacke, das Anfertigen eines passenden Keils und die feste Verbindung zwischen Eisen und Holz. Es hat funktioniert.


Vom Hackenstiel zur Axt 



Die Arbeit mit dem Schnitzpferd empfand ich als meditativ und sehr befriedigend. Es fühlte sich richtig an. In den folgenden Wochen probierte ich vieles aus und fertigte unter anderem Pfannenwender aus Buchenholz, die ich voller Stolz in der Familie und im Bekanntenkreis verschenkte.

Eine größere Herausforderung war der Axtstiel. Mein Schwager schenkte mir eine kleine handgeschmiedete Spaltaxt, deren Stiel bereits gebrochen war. Axtstiele müssen deutlich mehr aushalten als Hackenstiele: Sie müssen bruchfest sein und zugleich elastisch genug, um Schläge abzufedern. Eiche eignet sich dafür nicht.

Zufällig lag in meinem Brennholz ein dicker Ast vom Bergahorn. Dieses Holz ist zäh, schlagfest und flexibel – ideal für Axtstiele. Ich spaltete den Ast, formte den Stiel auf dem Schnitzpferd nach dem alten Vorbild und passte ihn an. Das Ergebnis ist eine Spaltaxt, die so gut in der Hand liegt, dass ich sie kaum wieder weglegen möchte.

Das Schnitzpferd als Mittelpunkt

Mittlerweile gehört die Arbeit mit dem Schnitzpferd zu meinem Alltag. Ich sitze auch für andere Arbeiten gern darauf; es ist zu einem zentralen Punkt in meiner Werkstatt geworden.
Weil ich es so häufig nutze, beschloss ich, ein zweites Schnitzpferd zu bauen – diesmal vollständig aus meinem eigenen Brennholz. 

Dafür musste ich lernen, wie man aus einem unförmigen Stamm einen geraden Balken haut. Ich machte mich mit neuen Werkzeugen vertraut, etwa mit dem Behaubeil und der Stoßaxt, und tastete mich Schritt für Schritt an diese Arbeit heran.


Die Werkzeuge


Auch alte Werkzeuge üben eine große Faszination auf mich aus. Bei gebrauchten Werkzeugen spürt man die Geschichte, fragt sich, wer sie zuvor benutzt hat und wofür. Viele Werkzeuge der traditionellen Holzbearbeitung sind handgeschmiedet und erzählen ihre eigene Geschichte.

Zu den Werkzeugen, die ich am Schnitzpferd nutze, gehören unter anderem Ziehmesser, Schweifhobel, Ziehklinge und Küfermesser. Sie sind einfach, funktional und verlangen Aufmerksamkeit – genau das schätze ich an ihnen.


Grünholz und Wald und Wurzel

Das Grünholzhandwerk ist für mich kein nostalgischer Rückblick, sondern eine zeitlose Praxis. Eine, die lehrt, Maß zu halten, Material zu lesen und Verantwortung zu übernehmen. In den vergangenen Jahren durfte ich diese Arbeit auch außerhalb der Werkstatt zeigen – unter anderem beim Sommerfest der Biologischen Station des Kreises Recklinghausen in Lembeck, wo ich das Handwerk vorgeführt habe und es am 12.07.2026 erneut tun werde. Die Resonanz dort hat mir gezeigt, dass diese stille, handwerkliche Arbeit Menschen berührt und Interesse weckt – vielleicht gerade, weil sie heute selten geworden ist.

Aus diesen Begegnungen wächst langsam eine Zukunftsperspektive. Nicht als großes Vorhaben, sondern als Fortsetzung dessen, was bereits da ist: das Arbeiten mit frischem Holz, das Weitergeben von Wissen, das Vorführen und Erklären von Werkzeugen und Techniken. Workshops und weitere Formate dürfen daraus entstehen, so wie auch diese Werkstatt entstanden ist – Schritt für Schritt, aus der Praxis heraus, verwurzelt in der Landschaft und offen für die Menschen, die sich darauf einlassen möchten.

Die Grünholzwerkstatt auf Veranstaltungen

Die Grünholzwerkstatt kann auch als Vorführung auf Veranstaltungen eingeladen werden.

Dabei wird das Arbeiten mit frischem Holz in traditioneller Weise gezeigt:

Spalten, Schnitzen, Formen mit einfachen, handgeführten Werkzeugen.

Ohne Maschinen, ohne Strom – allein mit Kraft, Technik und Erfahrung.

Im Mittelpunkt steht nicht das Produkt, sondern der Prozess.

Wie sich Holz verhält.

Wie Fasern verlaufen.

Wie aus einem Stück frischem Holz durch ruhige Arbeit ein Gebrauchsgegenstand entsteht.

Die Vorführung eignet sich für Kulturveranstaltungen, Märkte, Naturtage oder thematische Feste mit historischem oder handwerklichem Bezug.

Bei Interesse an einer Einladung oder Zusammenarbeit freue ich mich über eine Anfrage.

Das Schnitzpferd entsteht

Altes Werkzeug neu aufbereitet